Claude Projekte: Dein zweites Gehirn mit Gedächtnis

von Nicole Angela Buck

Warum der größte Fehler ist, Claude wie eine Suchmaschine zu nutzen – und was passiert, wenn er endlich weiß, wer Du bist.

Es gibt zwei Wege, Claude zu nutzen. Den einen kennen alle. Den anderen kennen wenige – und genau deshalb sehen ihre Texte am Ende aus wie aus einer Massenproduktion. Der Unterschied zwischen beiden ist nicht „ein bisschen besser". Es ist der Unterschied zwischen Werkzeug und Arbeitssystem. Ich arbeite seit über drei Jahren mit KI im Agenturalltag, davon zwei Jahre fast täglich mit Claude – und dieser Artikel zeigt Dir, was möglich wird, wenn Du aufhörst, Claude wie eine Suchmaschine zu behandeln.

Das Problem: Jedes Gespräch fängt bei null an

Du machst Claude auf, tippst Deine Frage, kriegst eine Antwort. Wie bei Google, nur in ganzen Sätzen. Funktioniert. Aber jedes Gespräch fängt bei null an. Jedes Mal erklärst Du, wer Du bist, was Du tust, wie Du klingst. Und wenn Du das nicht mehr machst – weil Du keine Lust mehr hast, jedes Mal die gleiche Litanei reinzukopieren – wird der Output austauschbar. Eben wie bei allen anderen, die das auch so machen.

Du fängst jeden Chat neu an. Du erklärst zum hundertsten Mal, dass Du keine „Lösungspartnerin" bist und Deine Kunden mit Du angesprochen werden, nicht mit „Sie auf Augenhöhe". Du kopierst Deine Tonalitätsbeispiele rein, Deine Persona, Dein Briefing. Und nach drei, vier Antworten ist der Faden wieder weg, weil das Kontextfenster voll ist. Dann fängst Du wieder von vorne an. Oder Du gibst auf und schreibst selbst.

Genau das ist der Punkt, an dem die meisten zur Lehrbuch-Sprache zurückkehren – weil KI „halt nicht so klingt wie ich". Stimmt aber nicht. Sie klingt nicht wie Du, weil sie Dich nicht kennt. Und das ist behebbar.

Was ein Claude Projekt eigentlich ist – kurz erklärt

Ein Projekt in Claude ist ein eigener Raum. Drei Dinge gehören rein:

  • Projektanweisungen – wer Du bist, wie Du klingst, was Du machst, was tabu ist.
  • Wissensbasis – Dokumente, die Claude immer im Kopf hat. Briefings, alte Texte, Strategien, Persona-Beschreibungen, Keywords.
  • Alle Chats darin – jeder neue Chat im Projekt startet mit Punkt 1 und Punkt 2 als Grundausstattung.

Das war's. Kein Code, kein Setup-Marathon. Du klickst „Neues Projekt", gibst ihm einen Namen, schreibst die Anweisungen rein, lädst Dokumente hoch. Fertig. Mehr dazu findest Du auch im Claude Help Center – Was sind Projekte.

Und dann passiert das, was alles ändert: Jedes Gespräch fängt nicht mehr bei null an, sondern bei Dir.

Und ja, ich weiß. ChatGPT hat auch sowas. Heißt da Custom GPTs oder Projects, je nachdem. Ich nutze ChatGPT auch, fast täglich. Aber ich sag's, wie es ist: In Claude funktionieren Projekte einfach. Punkt. Was ich da reinlade, kommt da auch wieder raus – mit Bezug, mit Tiefe, mit Erinnerung an das, was vor zwei Wochen schon Thema war.

Wie Claude Projekte in meinem Agenturalltag aussehen

Ich hab für jeden meiner Agenturkunden ein eigenes Projekt. Alle gleich aufgebaut. Drinnen liegt: Markenstimme und CI, alte Briefings, abgenommene Texte, Persona, Zielgruppe, Keywords, SEO-Vorgaben. Plus Archivmaterial, das im Laufe der Zusammenarbeit dazugekommen ist.

Und jetzt kommt der Hebel, den ich in keinem anderen Artikel über Claude Projekte gefunden hab.

Wir machen in der Agentur viel Print – Broschüren, Flyer, Imagematerial. Das ist oft der Ausgangspunkt eines Auftrags. Wenn die Broschüre steht, weiß Claude im Projekt alles über das neue Produkt: Argumente, Tonalität, Zielgruppenansprache, Bildsprache. Und ab da geht's los.

Aus der Broschüre wird ein Newsletter. Aus dem Newsletter werden drei LinkedIn-Posts. Aus den Posts wird ein Beitragstext für die Website. Alles aus einem Projekt heraus. Alles im selben Ton. Alles mit demselben Wissen über das, was die Broschüre schon gesagt hat.

Was das bedeutet, in Zahlen: Was früher mehrere Briefings, mehrere Abstimmungen und mehrere Anläufe gebraucht hat, läuft jetzt in einem Bruchteil der Zeit. Und – und das ist das eigentlich Wichtige – es klingt zusammen. Print, Web, Social, Newsletter sprechen dieselbe Sprache, weil sie aus derselben Quelle kommen. Das ist kein Tool-Trick. Das ist ein Arbeitsprinzip.

Drei Schlaglichter aus meinem Alltag

Damit Du eine Vorstellung bekommst, wie variabel das Konzept ist – drei meiner Projekte, kurz angerissen:

  • Mein Blog-Projekt. Hier liegt mein Schreibstil als Dokument, meine Persona-Analyse, meine Strategie für 2026, eine Liste der Tabuwörter (ja, „eintauchen" ist verboten), die Kategorien meines Blogs. Wenn ich einen neuen Artikel angehe, fängt Claude nicht bei „Hallo, wie schreibst Du gern" an. Er weiß es schon.
  • Mein Workshop-Projekt. Inhalte, Teilnehmerprofile, Feedback aus vergangenen Workshops, mein didaktisches Konzept. Wenn ich einen neuen Workshop vorbereite, baue ich auf dem auf, was schon funktioniert hat – statt jedes Mal das Rad neu zu erfinden.
  • Mein Steinehunger-Projekt. Ja, auch privat. Ich bau LEGO, schreibe darüber. Im Projekt liegen meine Lieblings-Sets, mein Schreibstil für den Blog, meine Foto-Settings. Wenn ich abends um neun Lust hab, einen kleinen Beitrag zu schreiben, muss ich nicht erst erklären, dass ich keine Bauanleitung tippe, sondern eine Geschichte. Claude weiß es.

Ein Projekt pro Lebensbereich. Ein Projekt pro Kunde. So einfach kann man das machen – und so wirksam ist es.

Was Claude im Projekt kann – und warum ein langer Prompt nicht reicht

Wenn Du jetzt denkst: „Naja, das könnte ich doch auch über einen langen Prompt machen" – nein. Kannst Du nicht. Drei Gründe:

  • Konsistenz. Im Projekt ist die Grundausstattung immer gleich. Egal ob heute, in zwei Wochen oder in drei Monaten. Du musst nichts pflegen außer dem, was Du sowieso pflegst.
  • Tiefe. Die Wissensbasis kann hunderte Seiten umfassen. Da passt rein, was in keinen Prompt der Welt passen würde.
  • Wachstum. Jeder Chat im Projekt baut auf dem auf, was schon da ist. Du fügst Material hinzu, ergänzt Erkenntnisse, lädst neue Briefings nach. Das Projekt lernt mit Dir mit.

Ein Prompt ist eine Notiz. Ein Projekt ist ein Wissensspeicher mit Gedächtnis.

Hier ist aber auch die Stelle, an der ich kurz innehalte. Weil ich KI-Trainerin bin, ja. Aber ich bin nicht naiv. In meine Kundenprojekte kommen Briefings, Tonalitätsmaterial, abgenommene Texte. Was nicht reinkommt: Mandantengeheimnisse, sensible Personaldaten, alles, was unter Verschwiegenheit fällt. Das gehört da nicht hin – und das ist eine bewusste Entscheidung. Das ist auch der Punkt, an dem ich von KI mit Kopf rede. Du wählst aus. Du entscheidest, was Claude wissen darf und was nicht. Du bleibst die Chefin Deines Projekts, nicht das Projekt die Chefin von Dir. Lieber drei sauber gepflegte Projekte als zwölf, in denen alles drin ist und niemand mehr durchblickt.

Fazit: Der Schritt von Weg eins zu Weg zwei

Erinnerst Du Dich an die zwei Wege ganz am Anfang? Weg eins: Claude wie eine Suchmaschine. Frage rein, Antwort raus, jedes Mal von vorne. Funktioniert für eine Recherche, einen Geistesblitz, eine schnelle Auskunft. Aber als Dauerlösung? Verschenktes Potenzial. Weg zwei: Claude mit Projekt. Mit Wissen über Dich, Deine Kunden, Dein Business. Mit der Fähigkeit, Print zu Digital zu ziehen, ohne dass irgendwo der Faden reißt.

Der Schritt von Weg eins zu Weg zwei ist klein. Du klickst auf claude.ai, wählst „Neues Projekt", schreibst Deine Anweisungen, lädst Dein Material hoch. Eine halbe Stunde Aufwand. Maximal. Der Effekt ist riesig.

Probier's aus. Ein Projekt für Dich, eins für Deinen wichtigsten Kunden, eins für ein privates Thema. Drei Projekte, ein Nachmittag. Und am Tag danach merkst Du, dass jedes Gespräch mit Claude bei Dir anfängt – nicht bei null. So fühlt sich ein zweites Gehirn mit Gedächtnis an.

Dieser Artikel ist Teil 1 von 5 der Serie „Claude. Weit mehr als ein Chatfenster." Die nächsten Teile: Prompts, die wirklich funktionieren → Claude Skills und Artefakte → Claude Code → Claude als Arbeitssystem.

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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.

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Ich bin Nicole

Nicole Angela Buck – KI-Trainerin und Kommunikationsdesignerin in ihrem Atelier, lächelnd in gelbem Blazer

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Kommunikations- und Grafik-Designerin und meiner Ausbildung als zertifizierte KI-Trainerin unterstütze ich Dich dabei, Deine Firma optimal online zu präsentieren. Lerne, wie Du durch präzise und intelligente Online-Strategien Deinen Betrieb nicht nur zeigst, sondern eine Geschichte erzählst, die bleibt. Mit Unterstützung einiger wichtiger KI-Tools darf Dein Content-Marketing wirklich Spaß machen!

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