Wie ich 14 Tabs auf 1 Fenster reduziert habe
von Nicole Angela Buck
Claude als Arbeitssystem
Ich saß noch am Rechner, ein Kundenprojekt war gerade durch. Konzept fertig, Angebot raus, Begleittexte für Mail und LinkedIn-Post lagen sauber daneben. Erst beim Aufstehen ist mir aufgefallen, was anders war: Ich hatte den ganzen Tag in einem Fenster gearbeitet. Claude, mehr nicht.
Das Verrückte war nicht mal, dass es schneller ging. Das Verrückte war, dass ich abends noch denken konnte. Das ist der Moment, an dem ich gemerkt hab: Hier ist was Grundsätzliches anders geworden.
Das erwartet Dich
Die meisten kennen Claude als Chatfenster – und das ist das Problem
Was wirklich passiert, wenn die Bausteine zusammenfließen
Mein Kundenprojekt-Tag von vorne bis hinten
Das funktioniert nur, weil ich da bin
Vom Chatfenster zum System – Schritt für Schritt
Claude als Arbeitssystem – das ist der Unterschied
Die meisten kennen Claude als Chatfenster – und das ist das Problem
Wenn ich mit Selbstständigen rede, höre ich immer wieder denselben Satz: „Ich nutze Claude, ja. Funktioniert ganz gut für Texte." Was ich in dem Moment denke: Du nutzt eigentlich nicht Claude. Du nutzt fünf Prozent von Claude.
Weil die meisten in der Schublade „besseres ChatGPT" stecken bleiben. Frage rein, Antwort raus. Vielleicht noch ein bisschen Newsletter formulieren oder einen LinkedIn-Post drehen. Das ist Claude als Eingabefeld benutzt – und dabei ist Claude eigentlich was ganz anderes.
Claude ist ein Arbeitssystem. Und ein Arbeitssystem ist halt was anderes als ein Chatbot. Es speichert Kontext, es lernt mit, es greift auf andere Tools zu, es baut Dir Sachen, die Du sonst eingekauft oder selbst gebastelt hättest. Es arbeitet, während Du andere Sachen machst.
Was wirklich passiert, wenn die Bausteine zusammenfließen
In den letzten vier Artikeln dieser Serie hab ich die einzelnen Bausteine gezeigt. Jeden für sich. Damit Du verstehst, was die Bausteine eigentlich machen:
- Claude Projekte sind das Gedächtnis. Da liegen Deine Buyer Personas, Deine Markenstimme, Deine Kunden-Kontexte. Einmal hochgeladen, immer verfügbar.
- Prompts, die wirklich funktionieren, sind die Sprache, mit der Du sagst, was Du willst. Nicht „mach mir einen Post", sondern so präzise, dass Claude versteht, was Du eigentlich meinst.
- Skills und Artefakte sind das, was Du einmal baust und immer wieder nutzt. Ein Skill für Deine Newsletter-Struktur. Ein Artefakt für eine Kalkulationsvorlage. Einmal gemacht, hundertmal aufgerufen.
- Claude Code ist das Werkzeug, mit dem Du Tools baust, ohne programmieren zu können.
Und dazu kommen die MCP-Verbindungen, über die Claude mit Deinen anderen Tools redet. Aber – und das ist der eigentliche Punkt: Jeder einzelne Baustein für sich ist nett. Erst wenn sie zusammen anfangen zu arbeiten, passiert was Echtes.
Das ist ungefähr so wie mit einem Auto. Ein Motor allein bringt Dich nirgendwohin. Räder allein auch nicht. Erst wenn alles zusammensteckt und ein System ergibt, fährst Du wirklich los.
Mein Kundenprojekt-Tag von vorne bis hinten
Ich öffne morgens ein Claude-Projekt. Drin liegt schon alles, was ich für diesen Kunden brauche: das Briefing aus dem letzten Erstgespräch, die Markenstimme, die Zielgruppen-Beschreibung, drei alte Texte, die ich für den Kunden mal gemacht hab. Claude weiß also, mit wem wir's zu tun haben, bevor ich überhaupt den ersten Satz tippe.
Ich starte mit dem Konzept. Ich beschreibe in eigenen Worten, was der Kunde braucht. Claude bringt das in Struktur, schlägt Schwerpunkte vor, fragt nach an Stellen, wo ich vorher selbst noch nicht klar war. Wir mäandern eine Weile rum, ich korrigiere, schärfe nach. Am Ende steht ein Konzept, das nach mir klingt – nicht nach Wikipedia.
Dann das Angebot. Dafür hab ich einen Skill, den ich mir vor ein paar Monaten gebaut hab. Der Skill kennt mein Angebots-Setup, meine Preisstruktur, meine typischen Leistungsbausteine. Ich sag Claude: „Bau mir auf Basis des Konzepts ein Angebot mit den Modulen X, Y, Z." Claude zieht den Skill, baut das Angebot, gibt's mir als Artefakt – sauber strukturiert, in meiner Sprache, mit den richtigen Preisen drin.
Begleittexte zum Schluss: eine Mail an den Kunden, ein begleitender LinkedIn-Post, ein kurzer Hinweis im Newsletter. Auch hier wieder weiß Claude durch das Projekt, wer der Kunde ist, wie ich klinge, was meine Zielgruppe lesen würde. Was ich an dem Tag nicht gemacht hab: Tabs gewechselt. Inhalte hin- und herkopiert. „Wo war das nochmal abgelegt"-Suchen gestartet. Drei Outputs aus einem Fenster – und mein Kopf war dabei klar.
Das funktioniert nur, weil ich da bin
Ich will hier nicht so tun, als ob das ein KI-Wundermärchen wäre. Ist es nämlich nicht.
Das Konzept ist nicht von Claude gekommen. Das war meins – ich hab nur Claude als Sparringspartner genutzt, um's klarer zu machen. Das Angebot ist nicht von Claude erfunden – ich hab ihm vorher beigebracht, wie meine Angebote aussehen, was ich anbiete, zu welchen Preisen. Die Texte sind in meiner Stimme entstanden, weil ich Claude vorher mit dem Skill „nab-handschrift" gefüttert hab, der genau weiß, wie ich klinge und was ich nie schreiben würde.
Das System läuft, weil ich vorher Arbeit reingesteckt hab. In Projekte, in Skills, in Prompts, in Strukturen. Claude ist eben nicht die Person, die das Projekt macht. Claude ist die Person, die meine Vorarbeit ausführt, weil ich vorher klar war.
Das ist der Unterschied, den die meisten unterschätzen. Wer Claude im Chatfenster-Modus nutzt, will eine Antwort. Wer Claude als Arbeitssystem nutzt, baut sich vorher ein Setup, das danach immer wieder für ihn arbeitet. KI mit Kopf – der Kopf bist Du. Die KI ist das Werkzeug, das Deinen Kopf vervielfacht. Aber sie ersetzt ihn nicht.
Vom Chatfenster zum System – Schritt für Schritt
Ich weiß, wie das klingt, wenn ich das so erzähle. Nach „Nicole hat eh schon alles eingerichtet, leicht reden." Aber so ist's nicht entstanden.
Ich hab vor anderthalb Jahren auch im Chatfenster gesessen. Hab Texte geschrieben, Posts formuliert, Newsletter durchredigiert. Eines nach dem anderen. Und irgendwann hab ich gemerkt: Das, was ich da jeden Tag wieder neu aufbaue, könnte ich auch einmal sauber hinterlegen und dann immer wieder abrufen. Das war der Moment, an dem aus dem Chatfenster ein System wurde. Schritt für Schritt. Nicht über Nacht.
Und genau das ist der Weg, den ich auch meinen Kundinnen empfehle:
- Fang nicht mit allem gleichzeitig an.
- Bau Dir ein Projekt für Deine wichtigste Kundengruppe.
- Pack rein, was Du eh ständig wieder erklärst.
- Beobachte, wie sich das anfühlt, wenn Du nicht jedes Mal bei null startest.
- Dann der nächste Baustein. Dann der nächste.
Ein Fenster mehr nutzen, ein Tab weniger geöffnet. Bis Du irgendwann an einem Abend aufstehst und merkst: heute hab ich nicht gewechselt.
Claude als Arbeitssystem – das ist der Unterschied
Erinnerst Du Dich an den Anfang? Halb sieben, ein durchgezogenes Kundenprojekt, ein klarer Kopf.
Das ist nicht passiert, weil Claude so toll ist. Das ist passiert, weil ich vorher die Arbeit reingesteckt hab, das System aufzubauen. Damit ich an dem Tag, an dem der Kunde anruft, nicht erst eine Stunde nach den richtigen Vorlagen suche.
Vierzehn Tabs sind ein Fenster geworden, weil das, was vorher in vierzehn Tabs verstreut war, jetzt in einem System steckt. Ich hab eben nicht einfach was weggeklickt – ich hab's strukturiert.
Und das System hört auch nicht auf, wenn ich den Rechner zumache. Es ist morgen früh um halb neun wieder da, wenn ich den ersten Kaffee trinke und die nächste Kundenmail aufmache. Es weiß noch, wer ich bin. Es weiß noch, wer meine Kunden sind. Es weiß noch, wie ich klinge.
Das ist der Unterschied. Und das ist Claude als Arbeitssystem.
Das war Teil 5 von 5 der Serie „Claude. Weit mehr als ein Chatfenster." Alle Teile der Serie:
In 60 Minuten zur neuen Routine.
14 offene Tabs und nichts passiert?
Du weißt, was Du sagen willst. Aber sobald Du tippst, klingt es nach niemandem. Zu glatt. Zu generisch. Zu sehr nach KI, aber nicht nach Dir und Deiner Handschrift: In meinem kostenlosen Live-Webinar am 26. Mai 2026 um 19.00 Uhr zeige ich Dir live in Claude, wie das anders geht. Fünf echte Anwendungsfälle, fünf verschiedene Features, 60 Minuten, in denen sich etwas in Deinem Kopf verschiebt.
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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.
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