Was Claude Code wirklich kann (und wo seine Grenzen sind)

von Nicole Angela Buck

Vibe Coding für klassische Selbstständige

Eine Mail von der Metzgerei, sechs Angebote, drei Filialen, eine Sonderaktion – und vor zwei Jahren wären das locker zwei Stunden Arbeit gewesen. Heute? 17 Minuten. Plus Kaffee. Das Verrückte daran: Ich kann eigentlich gar nicht programmieren. Und genau darum geht es in diesem Artikel.

Der teuerste Glaubenssatz, den Du gerade noch hast

Wenn ich in Workshops von Claude Code erzähle, sehe ich oft das gleiche Gesicht. Dieses leichte Zurücklehnen. Diesen Blick, der sagt: Klar, Nicole. Aber das ist halt was für Entwickler. Nicht für mich.

Dann fallen die Stichworte – Terminal, Code, Programmierung, GitHub. Beim ersten Begriff klappen die Klappen runter.

Das ist die größte Bremse, die ich bei Selbstständigen sehe. Nicht die Technik. Sondern der Glaubenssatz, dass Technik etwas ist, das andere können – nicht man selbst.

Ich versteh's. Ich war 25 Jahre lang Designerin, kein Tag davon Entwicklerin. Trotzdem nutze ich Claude Code mittlerweile fast täglich. Nicht weil ich plötzlich Entwicklerin geworden bin. Sondern weil sich die Frage verändert hat.

Was Claude Code ist – und was Vibe Coding bedeutet

Claude Chat redet. Claude Code arbeitet. Das ist im Kern der Unterschied. Im Chat stellst Du Fragen, bekommst Antworten, kopierst sie irgendwohin. In Claude Code beschreibst Du, was Du willst – und Claude greift direkt auf Deinen Rechner zu. Liest Dateien, schreibt Dateien, baut Ordner, baut Tools, testet sie, korrigiert sich selbst.

Genau das nennt sich seit Anfang 2025 Vibe Coding. Der Begriff stammt von Andrej Karpathy, einem KI-Forscher, der eine ganz simple Idee in zwei Worte gepackt hat: Du programmierst nicht über Syntax, Du programmierst über Absicht. Du sagst, was sein soll. Die KI baut, was nötig ist.

Klingt locker? Ist es auch – im positiven Sinn. Aber Vibe Coding heißt nicht, dass Du nicht mehr denken musst. Im Gegenteil. Vibe Coding heißt, dass Du anders denken musst. Klarer. Präziser. Du musst nicht wissen, wie eine Schleife funktioniert. Du musst aber wissen, was Du eigentlich willst.

Und genau hier kommt Deine Erfahrung als Selbstständige ins Spiel. Du kennst Deinen Prozess. Du weißt, wo es hakt. Du weißt, welcher Schritt Dich nervt. Das ist der wertvollste Input, den ein KI-Coding-Tool bekommen kann.

Das Anzeigen-Tool für die Metzgerei – wie es wirklich entstanden ist

Die Metzgerei ist seit Jahren Kundin bei mir. Jede Woche neue Anzeigen, jede Woche derselbe Ablauf. Der Kunde schickt die Texte per Mail – meist in einer Word-Tabelle, manchmal einfach im Mailtext drin. Tippfehler, mal eine Zelle verrutscht, mal ein Datum, das nicht zur Woche passt.

Irgendwann saß ich Donnerstagmittag wieder vor dem Bildschirm und dachte: Das muss doch nicht sein. Also Claude Code geöffnet und beschrieben, was ich brauche. Nicht in Tech-Sprache. In meiner Sprache:

„Ich brauche ein Tool, in das ich den Anzeigentext aus einer Kundenmail reinkopieren kann. Es soll prüfen, ob die Datumsangaben zur kommenden Woche passen, ob die Preise plausibel sind, ob keine Tippfehler drin sind. Dann soll es eine saubere Textdatei rausschreiben, die mein InDesign-Skript einlesen kann. Das Skript erstellt dann ein Ansichts-PDF zur Freigabe sowie Druckdaten, JPGs für Facebook und Homepage-Texte."

Das war der erste Prompt. Mehr nicht. Keine Spezifikation, keine Anforderungsliste, kein Pflichtenheft. Einfach erzählt, was passieren soll. Claude hat angefangen zu bauen. Ich hab getestet, gemerkt was nicht passt, weiterbeschrieben, korrigiert. Inklusive aller Tests und Korrekturen war das Ding in weniger als zwei Stunden fertig.

Und dann kam der Moment, der mich überzeugt hat: Eine Woche später meckert das Tool. Ein Datum stimmt nicht. Was als „Angebot vom 14. bis 19." angegeben war, lag in der Vergangenheit. Der Kunde hatte versehentlich die Vorwoche reinkopiert. Das Tool hat es in der Sekunde gefangen – bevor es in den Druck ging, in den Facebook-Post, auf die Homepage. Genau für solche Momente baust Du Dir sowas.

Was sonst noch entstanden ist: MEINE Zeit und der Phrasendrescher

Das Anzeigen-Tool ist nicht das einzige Werkzeug, das so entstanden ist. Im Herbst hab ich mir ein zweites gebaut: MEINE Zeit. Angefangen als simple Zeiterfassung, weil mir keins der fertigen Tools richtig gepasst hat. Dann ist es gewachsen – ToDos, Sprints, Motivations-Impulse zwischendurch, ein Buddy, der mich morgens begrüßt und mir einen Schlachtplan vorschlägt. Heute ist das ein komplettes Command Center, das mir gehört, das so arbeitet wie ich arbeite, und das ich täglich nutze.

Wie das mit Claude und MCP zusammenspielt, hab ich ausführlich in „Claude ist nicht allein – wie MCP Dein Chatfenster zur Schaltzentrale macht" beschrieben. Und wie aus einer ähnlichen Idee der KI-Phrasendrescher entstanden ist, kannst Du in „Klingt das noch nach Dir – oder schon nach allen anderen?" nachlesen.

Drei Tools. Eine Logik. Nicht weil ich plötzlich Entwicklerin bin. Sondern weil ich klar weiß, was meine Probleme sind – und Claude Code das Werkzeug ist, mit dem ich sie löse.

Wo Claude Code an Grenzen stößt – und das ist wichtig

So weit, so gut. Aber jetzt kommt der Teil, den die meisten Vibe-Coding-Artikel weglassen. Ich nicht.

Was ich Dir hier zeige, ist Vibe Coding für den Eigengebrauch. Tools, die ich selbst nutze, in meinem geschützten Setup, mit Daten, die ich selbst kenne. Da ist Claude Code grandios. Da kannst Du loslegen, ausprobieren, Dir Werkzeuge bauen, die Dir den Alltag verändern. Auch als Prototyp – um zu testen, ob eine Idee überhaupt trägt – ist das Gold wert.

Sobald Du in den Kundeneinsatz gehst – produktive Software, die für andere Menschen läuft, mit deren Daten arbeitet, sensible Informationen verarbeitet, Geld bewegt – dann braucht es mehr als Vibe Coding. Dann braucht es saubere Programmierung. Sicherheits-Reviews. Jemanden, der die Schwachstellen kennt, die Claude Code Dir nicht zeigt, weil Du nicht wusstest, dass Du danach fragen musst.

Vibe Coding ohne Verstand baut Dir technische Schulden, die Dir später um die Ohren fliegen. Code-Duplikate, die niemand mehr versteht. Sicherheitslücken, die Du nicht siehst. Lösungen, die so lange funktionieren, bis sie es nicht mehr tun.

Heißt das, Du sollst die Finger davon lassen? Im Gegenteil. Bau Dir Tools für Deinen Eigengebrauch. Bau Dir Prototypen, um Ideen zu testen. Sammel Erfahrung. Lern, wie das Denken in Anforderungen funktioniert. Aber wenn das Tool richtig wichtig wird – wenn es um Kundendaten geht, um produktiven Einsatz, um etwas, bei dem ein Fehler richtig wehtut – dann hol Dir jemanden dazu, der das Handwerk kann.

KI mit Kopf – nicht KI statt Kopf. Das ist kein Spruch. Das ist die Linie zwischen einem Werkzeug, das Dir hilft, und einem Werkzeug, das Dir auf die Füße fällt.

Donnerstagmorgen, 9:04 Uhr – und was das für Dich bedeutet

Mail offen, Text kopiert, Tool drüberlaufen lassen. Diese Woche keine Auffälligkeiten – Datümer passen, Preise plausibel, keine Tippfehler. Freigabe. Skript läuft. PDFs raus, JPGs fertig, Homepage-Texte parat. 17 Minuten. Plus Kaffee.

Vor zwei Jahren wäre ich jetzt noch zwei Stunden beschäftigt. Heute hab ich Zeit für die Dinge, die wirklich Kopf brauchen.

Und Du? Du sitzt vielleicht gerade vor genau so einer Aufgabe. Etwas, das Dich jede Woche nervt. Etwas, das eigentlich automatisierbar wäre, wenn Du nur jemanden hättest, der Dir das Tool baut. Du hast jemanden. Sie heißt Claude Code. Du musst sie nur fragen – mit Kopf, mit klarer Vorstellung davon, was Du willst, und mit dem Wissen, wann Du jemanden dazuholst.

Das ist Vibe Coding aus der Praxis. Nicht als Versprechen. Als Donnerstagmorgen.

 

Dieser Artikel ist Teil 4 von 5 der Serie „Claude. Weit mehr als ein Chatfenster." Die anderen Teile der Serie:

In 60 Minuten zur neuen Routine.

14 offene Tabs und nichts passiert?

Du weißt, was Du sagen willst. Aber sobald Du tippst, klingt es nach niemandem. Zu glatt. Zu generisch. Zu sehr nach KI, aber nicht nach Dir und Deiner Handschrift: In meinem kostenlosen Live-Webinar am 26. Mai 2026 um 19.00 Uhr zeige ich Dir live in Claude, wie das anders geht. Fünf echte Anwendungsfälle, fünf verschiedene Features, 60 Minuten, in denen sich etwas in Deinem Kopf verschiebt.

▪ Post schreiben mit Brand-Voice-Skill
▪ Recherche direkt im Browser
▪ Chaos strukturieren mit Claude Cowork
▪ Visuelle Ideen entwickeln mit Claude Design
▪ Mini-Tool bauen mit Claude Code

▪ BONUS: Deine Fragen werden live beantwortet

Einmalig & 100% kostenlos.

Übrigens... wenn Du live dabei bist, kannst Du Dir nen Bonus im Rahmen meines Claude-Workshops im Juni sichern!
Nichts wie ran zur Anmeldung (Link).

Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.

Aktuell informiert sein

Willst Du immer informiert sein?
Dann hol dir jetzt meinen Newsletter und erhalte Impulse, Tipps und Inspirationen aus der Welt der KI.
"SCHRITT HALTEN. Der Newsletter für KI mit Kopf." kommt immer mittwochs in Dein Postfach.

Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons "Abschicken" erkläre ich mich damit einverstanden, dass mir zukünftig regelmäßig Informationen zu den Dienstleistungen und Angeboten per Newsletter zugeschickt werden und dass meine Daten (Systemdaten, IP-Adresse) und mein Nutzungsverhalten (Zeitpunkt des Öffnens, Dauer des Lesens etc.) durch das Newsletter-Tracking elektronisch gespeichert wird um statistische Auswertungen zur Verbesserung der Newsletter zu erstellen. Eine Abmeldung ist jederzeit in jedem Newsletter oder gegenüber dem Anbieter möglich. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Ich bin Nicole

Nicole Angela Buck – KI-Trainerin und Kommunikationsdesignerin in ihrem Atelier, lächelnd in gelbem Blazer

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Kommunikations- und Grafik-Designerin und meiner Ausbildung als zertifizierte KI-Trainerin unterstütze ich Dich dabei, Deine Firma optimal online zu präsentieren. Lerne, wie Du durch präzise und intelligente Online-Strategien Deinen Betrieb nicht nur zeigst, sondern eine Geschichte erzählst, die bleibt. Mit Unterstützung einiger wichtiger KI-Tools darf Dein Content-Marketing wirklich Spaß machen!

Mehr über mich