Prompts, die wirklich funktionieren

von Nicole Angela Buck

So redest Du mit Claude, dass er Dich versteht

Heute Morgen, Schreibtisch, neuer Kunde. Ich tippe seit zwanzig Minuten in Claude, sammle Kontext, klebe Auszüge aus der Recherche rein, schreibe meine eigenen Impulse dazu. Der Prompt ist lang. Claudes Antwort kommt zwei Minuten später – und ist genau das, was ich brauche. Knapp, präzise, in der Tonalität des Kunden.

Wer mir über die Schulter schaut und nur die Antwort sieht, denkt vielleicht: Wow, geht ja schnell. Wer mir beim Tippen zuschaut, denkt eher: Warum schreibt die so viel? Weil das die eigentliche Arbeit ist.

Was die meisten falsch machen

Es gibt ein paar Dinge, die mir immer wieder begegnen, wenn ich mit Kundinnen und Kunden über ihre Prompts spreche.

Da ist zum einen der Mythos, der Prompt müsse kürzer sein als das Ergebnis – stimmt halt einfach nicht. Wer das glaubt, fragt Claude wie eine Suchmaschine. Drei Wörter rein, ganzer Text raus. Und wundert sich dann, dass der Text nach niemandem klingt.

Dann fehlt oft der Kontext. Wenn ich nur Name und Branche eines Kunden reingebe, kann gar nichts Brauchbares rauskommen. Claude füllt die Lücken mit Generischem. Das ist keine Schwäche der KI, das ist Logik. Wo nichts ist, kann auch nichts entstehen.

Und es gibt einen Reflex, der mich selbst lange gekostet hat. Der erste Versuch geht schief – und dann wird der Chat verbissen weiter getrimmt, korrigiert, umformuliert, bis irgendwann was Halbgares rauskommt. Dabei wäre ein neuer Anlauf an der Stelle oft schneller. Dazu gleich mehr.

Prompting ist Briefing – nicht Kommando

Stell Dir vor, Du briefst eine erfahrene Freelancerin. Sie kann ihren Job, sie denkt mit, sie hat Erfahrung. Aber sie kennt Deinen Kunden nicht. Sie weiß nicht, in welcher Tonalität er sich wiedererkennt. Sie weiß nicht, was Du letzte Woche schon ausprobiert hast. Sie weiß nicht, welche Wörter er selbst benutzt, wenn er über sein Geschäft spricht.

Wenn Du ihr nur sagst „Schreib mir einen Newsletter für meinen Kunden Müller", bekommst Du irgendwas. Wenn Du ihr ein Briefing gibst – mit Kontext, mit Material, mit Beispielen, mit klarer Zielsetzung – bekommst Du etwas, das nutzbar ist.

Mit Claude ist es genau gleich. Nur dass Claude nicht zurückfragt, wenn das Briefing dünn ist. Claude rät dann einfach. Und Geratenes klingt nie nach Dir.

Ein gutes Briefing hat ein paar Bestandteile, die ich immer wieder reinpacke:

  • Kontext: Was ist die Situation, wer ist der Kunde?
  • Material: Recherche, alte Texte, Auszüge aus Calls
  • Eigene Stimme: Tonalität, Beispielsätze, was ich auf keinen Fall will
  • Ziel: Was soll am Ende rauskommen, in welcher Form, für welchen Kanal?

So baue ich Prompts in der Praxis

Bei einem neuen Kundenprojekt fange ich fast nie mit dem eigentlichen Prompt an. Ich fange mit Recherche an.

Konkret: Ich gebe Claude den Kunden, die Branche, die Webseite. Lasse recherchieren, was es da gibt, wie der Kunde sich positioniert, was sein Angebot ist. Dann lese ich das selbst nach – nicht blind übernehmen, immer gegenchecken. Dabei fallen mir eigene Impulse ein, ich erinnere mich an Sätze aus dem letzten Call, ich finde alte Materialien, die noch passen.

All das wandert ins Briefing. Mit konkreten Beispielen, wenn ich welche habe. Mit klarer Ansage, was ich will und was nicht. Manchmal lasse ich mir den eigentlichen Prompt sogar von Claude vorformulieren – auf Basis genau dieser Details, die ich vorher reingegeben habe. Das spart Zeit und sorgt für Vollständigkeit.

So entsteht ein Prompt mit echtem Material. Und nur dann kann am Ende was Aussagekräftiges rauskommen.

Der Moment, wo der erste Versuch schiefgeht

Passiert mir auch. Regelmäßig.

Die spannende Frage ist nicht, ob der erste Versuch sitzt. Die spannende Frage ist, was Du dann machst.

Mein Ansatz: Wenn die Richtung im ersten Chat schon halbwegs stimmt und nur Feinschliff fehlt, bleibe ich im Sparring. Ich sage Claude konkret, was schief lief, und wir arbeiten weiter. Das funktioniert gut, wenn die Grundidee passt.

Wenn der erste Chat aber komplett in eine falsche Richtung gelaufen ist, mache ich einen neuen auf. Mit nachgeschärftem Briefing. Und ehrlich: Wenn der zweite Chat dann auf Anhieb in die richtige Richtung läuft, bleibe ich da. Warum sollte ich Claude im ersten Chat von seinem schiefen Anfangsimpuls auf was anderes trimmen, wenn der zweite Chat die richtige Spur schon gefunden hat?

Das ist eigentlich einfach – aber viele halten am ersten Versuch fest, weil sie das Gefühl haben, sie müssten ihn retten. Müssen sie nicht.

Erst dem Kunden zuhören, dann zu Claude

Eine letzte Sache, die in keinem Prompting-Tipp drin steht, den ich kenne.

Bei manchen Kundencalls generiere ich live aus dem Gespräch heraus. Geht super, wenn der Kunde von selbst die richtigen Fakten und seine eigenen Wörter mitbringt. Bei anderen Calls muss ich gezielt fragen – nicht nach SEO-Keywords, sondern nach den Schlüsselbegriffen, die sein Thema wirklich tragen. Die Wörter, die er selbst benutzt, wenn er über seine Arbeit spricht.

Diese Wörter sind Gold. Die kommen ins Briefing. Und nur damit klingt der spätere Text nach dem Kunden – nicht nach KI, die irgendwas über die Branche weiß.

KI mit Kopf – nicht KI statt Kopf

Claude kann nur so gut sein wie das Briefing, das ich gebe. Das Material, die Impulse, die eigene Sprache – das kommt von mir. KI ist die Verstärkung meines Denkens, nicht der Ersatz dafür.

Deswegen ist ein langer Prompt kein Zeichen für umständliches Arbeiten. Er ist das Zeichen, dass jemand seinen Job ernst nimmt.

Zurück zu heute Morgen am Schreibtisch. Zwanzig Minuten Briefing, zwei Minuten Claude-Antwort. Wer nur die Antwort sieht, denkt: schnelles Tool. Wer den Prozess kennt, weiß: Die zwanzig Minuten sind die Arbeit. Die zwei Minuten sind das einfache Stück. Und genau so soll es sein.

 

Dieser Artikel ist Teil 2 von 5 der Serie „Claude. Weit mehr als ein Chatfenster." Die anderen Teile der Serie:

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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.

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Ich bin Nicole

Nicole Angela Buck – KI-Trainerin und Kommunikationsdesignerin in ihrem Atelier, lächelnd in gelbem Blazer

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Kommunikations- und Grafik-Designerin und meiner Ausbildung als zertifizierte KI-Trainerin unterstütze ich Dich dabei, Deine Firma optimal online zu präsentieren. Lerne, wie Du durch präzise und intelligente Online-Strategien Deinen Betrieb nicht nur zeigst, sondern eine Geschichte erzählst, die bleibt. Mit Unterstützung einiger wichtiger KI-Tools darf Dein Content-Marketing wirklich Spaß machen!

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